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Die geschlossene Gesellschaft und ihre Feinde
Ein sich selbst versorgendes Aquarium macht keine Arbeit, aber nicht jeder ist damit glücklich
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„Die Funktion ist relativ simpel“, erklärt Ehrlich weiter. „Es handelt sich um ein vereinfachtes Ökosystem, das in sich geschlossen ist und ohne jegliche äußere Eingriffe mehrere Jahre überleben kann.“ Im Innern des Glasbehälters befinden sich Luft, Salzwasser, Grünalgen und Garnelen der Art Halocaridina rubra. Die Garnelen selbst müssen von tropischen Inseln im Pazifischen Ozean importiert werden. Sie können sich an die sauerstoffarme und nahrungsarme Umgebung änpassen, während Algen ihnen als Nahrung dienen. Die. Bakterien, Algen und Mikroorganismen hingegen züchten die Forscher der Ecosphere Europe GmbH in ihrem Labor. Ehrlich ergänzt: „Das ist Teil der Technologie der Nasa.“ Diese Bakterien wandeln die Ausscheidungen wiederum in für die Algen nutzbare Nährsalze zurück. Von außen. wird nur über Tageslicht oder künstliches Licht die dafür nötige Energie zugeführt. Es gibt also keinen Pflegeaufwand. Wie viel Arbeit Aquarien normalerweise machen, erklärt Mario Sult, Mitarbeiter der Tier- und Tierbedarfshandlung Fressnapf in Gießen. Seit neun Jahren verkaufen die insgesamt 20 Mitarbeiter der Franchise-Kette Produkte für das Haustier. „Tägliches Füttern, Säubern des Filters und Wechseln des Wassers sind ein Muss.“ Eine konsequente Pflege des Aquariums ist daher unumgänglich. Denn je wohler sich die Fische fühlen, desto höher ist ihre Lebenserwartung.
Bei den Ecospheren muss zwar lediglich auf eine angemessene Temperatur und genügend Licht geachtet werden, doch sind auch diese Systeme empfindlich. Zu viel Licht führt zum Veralgen und damit zu einer Veränderung des pH-Wertes. Im schlimmsten Fall könne das zum Kippen des Gleichgewichts führen. Trotzdem ist Ehrlich von der Stabilität des künstlichen Biosystems überzeugt: „Man muss also schon dafür sorgen, wenn auch nicht täglich wie beim Aquarium, wo Fische gefüttert und Wasserwerte beobachtet werden müssen. Doch werden Fische in Aquarien sehr häufig überfüttert, was zum frühzeitigen Sterben führt. Das kann bei unserem Ökosystem nicht passieren.“ Sult stimmt mit Blick auf die herkömmlichen Aquarien zu: „Je kleiner das Ökosystem, desto aufwendiger.
Die negative Seite des geschlossenen Aquariums ist aus der Sicht des Käufers der Preis. ‚Von 99 Euro im Handel bis zu 100 000 Euro ist alles möglich“, sagt Ehrlich. Die kleinste Kugelform —je nach Geschmack auch Eiform — hat einen Durchmesser von 10 Zentimetern. Bis 23 Zentimeter Durchmesser liegt der Preis unter 500 Euro. Auch unterscheiden sich die einzelnen Größen mit der Zahl der Garnelen, die das Glas bewohnen. Dazu kommt noch ein Ständer für 10 bis 20 Euro. Am oberen Ende der Preisskala liegen die Ausstellungs-Ecospheren für Museen oder Hotels mit mehr als einem Meter Durchmesser. Ob die Aquarien in Europa einen Konkurrenten bekommen haben? Ehrlich meint: „Eher eine Ergänzung. Zunächst gibt es viele ältere Menschen, für die ein Aquarium zu viel Arbeit ist, und sie können sich nun trotzdem an einem aquariumähnlichen Biotop erfreuen. Viele Aquarianer haben eine kleine Ecosphere auf ihrem Schreibtisch im Büro stehen.“ Typische Kunden seien daher Entscheider, Besserverdiener, Biologen, Chemiker, Arzte, Lehrer, aber auch Unternehmen. „Ecospheren werden sehr oft auch als Werbegeschenke verkauft.“
In dem Glas mitgeliefert werden zu den Garnelen eine Koralle sowie Steine und Schneckenhäuser, um den Algen eine Unterlage zu bieten. Wem die Anschaffungskosten relativ hoch erscheinen, antwortet Sult: „Man kommt im Prinzip auf die gleichen Anschaffungskosten wie für ein Aquarium.“ Derweil verkauft Sult in der Gießener Filiale noch drei bis fünf 60-Liter-Aquarien in der Woche, sie kosten im Handel ohne Zubehör ungefähr 40 Euro. Dazu kommen ein Wasseraufbereiter, Kies, Folie, Pflanzen und Dekoration und schließlich die Fische selbst. „Am Ende schwankt der Preis für das Ökosystem zwischen 180 und 200 Euro. Doch nach oben sind keine Grenzen gesetzt.“
Seit ungefähr 25 Jahren wird das Produkt Ecosphere in den Vereinigten Staaten vermarktet. 2001 öffnete sich der Markt für die Ecosphere hierzulande. Noch sind Ecospheren in Deutschland relativ unbekannt, doch der Bekanntheitsgrad steigt. Während auf der ganzen Welt rund 150 000 Ecospheren im Jahr verkauft werden, liegt der Umsatz in Deutschland bei rund 1 Million Euro jährlich. „Mit 30 Prozent Umsatzwachstum jährlich werden europaweit Ecospheren mit einem Umsatzwert von etwa 2 Millionen Euro verkauft. Unsere Zukunft sieht daher positiv aus“, erklärt Ehrlich.
Von Tierschützern wird den Anbietern oft vorgeworfen, die Haltung der Garnelen sei nicht artgerecht. Der geschlossene Raum und zu wenig Versteckmöglichkeiten sowie Platz seien das Problem. Weiter kritisieren Gegner, dass die Lebensdauer der Tiere unter den entsprechenden Erwartungen liege. „Sie haben in der Ecosphere keine Feinde wie in der Natur, vor denen sie sich verstecken müssten“, entgegnet Ehrlich den Kritikern. Sie lebten in der freien Natur zum größten Teil in winzigen und engen Lavakanälen und Höhlen zu Zigtausenden auf engstem Raum friedlich zusammen. Verstecke gebe es im Allgemeinen dort auch nicht. Ehrlich ist überzeugt, dass alle Einwände gegen die Ecosphere mit biologischen Argumenten zu entkräften sind: „Kritik ist sehr selten, weil wohl die meisten Menschen den Lebenszyklus verstehen und auch, dass es nicht zu irgendwelcher Unterversorgung kommt. Der Sauerstoff und die Nährstoffe werden ja alle nachproduziert.“ Im Schnitt werden die kleinen Ecospheren zwei bis drei Jahre alt. Es ist jedoch schon vielfach vorgekommen, dass besonders in den größeren Ecospheren, in denen sich mehrere Garnelen befinden, einzelne Tierchen in bis zu zehn Jahre alten Systemen noch leben. Das entspricht dann der Lebensdauer in freier Natur. „Wenn die Ecosphere stirbt, kann sie zu uns eingeschickt werden zur Neubefüllung, oder sie wird entsorgt, indem man das Glas zerbricht, das Wasser ausgießt und es in den Restmüll beseitigt. Es enthält nur natürliche Komponenten.“
Seit einem Jahr bietet Ecosphere Europe auch sogenannte Ornarien zum Verkauf an. Erforscht und seit vier Jahren getestet, ähneln sie dem Prinzip eines geschlossenen Lebenskreislaufs der Ecosphere. Der Unterschied ist, dass sie keine Tiere beinhalten. Die Lebensgrundlage der Wasserpflanzen im Ornarium, ein Salzwasserbiotop, das von Bakterien und Mikroorganismen sauber gehalten wird, bildet dabei die Sonnenstrahlung. „Diese Ornarien gibt es nur bei uns, unsere amerikanischen Partner machen diese nicht.“
Sarah Sandelbaum
Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen
PDF Version des Artikels "Die geschlossene Gesellschaft und ihre Feinde" zum download
Mehr Informationen zum Aquarium Ökosystem unter www.ecosphere-europe.com




